abandoned stories


Hlynur Hallsson | Jenny Michel 
abandoned stories

01.04. - 13.06.2021

„abandoned stories“ - aufgegebene oder verlassene Geschichten - aus losen Enden und einzelnen Textzeilen. 

Der Kasseler Kunstverein hat zwei Künstler*innen für "abandoned stories" zusammengebracht, deren Werke äußerlich kaum unterschiedlicher sein könnten, sich aber zu einer spannenden und anregenden Ausstellung verbinden. Hallsson und Michel arbeiten mit dem vermeintlichen Absolutheitsanspruch von Geschriebenem – politischen Statements, Theoriegebäuden oder eher persönlichen Bewertungen, ohne jedoch die derzeitige „Fake-News“-Diskussion zu befeuern. Text und Bild oder Text als Bild werden stattdessen neu und überraschend verbunden, poetisch kombiniert und die Künstler*innen lassen aus den Fragmenten neue Kontexte, Verweise und Zusammenhänge entstehen.

Jenny Michel verbindet Zeichnungen, Objekte und gefundene Dokumente und Texte zu komplexen Werkreihen und raumgreifenden Installationen. Inhaltlich vielschichtig verbinden sich philosophisch-wissenschaftliche Betrachtungen, Forschungssystematiken und eigene Setzungen zu einem labyrinthischen Theoriegebäude. Optisch überladen mit historischen Schemazeichnungen, Satzfragmenten und weit vernetzten Bezugslinien, geben Michels Arbeiten Wissenschaftlichkeit als festen Rahmen vor und entlarven diesen Anspruch gleichzeitig ironisch als Glaubens- oder Denkmodell. Durch ihre fantasievolle und komplexe Herangehensweise verbindet sie Wahrheiten mit Utopien und Sehnsüchten zu einem ganz eigenen Modell der Welterklärung.

Hlynur Hallsson nutzt für seine konzeptuellen Wandarbeiten Textfunde und Zitate aus unterschiedlichsten Quellen. Reaktionen auf aktuelle Ereignisse (ob scheinbar wichtig oder banal), ortsbezogene Kommentare oder Alltagsphrasen werden zu einem fortlaufenden Textblock zusammengestellt. Meist in drei Farben – gegliedert nach isländisch (Hallssons Muttersprache), englisch und der am Ausstellungsort vorherrschenden Sprache – sprüht Hallsson in Großbuchstaben direkt auf die Wand. Die assoziativ kombinierten Sätze offenbaren ein feines Gespür für inhaltliche Bezüge und sprachliche Besonderheiten, genauso wie für konkrete Poesie und humorvolle Absurditäten.

Die Kombination aus überbordendem Informationsgehalt und Materialeinsatz in Michels Installationen und den mit einfachsten Mitteln realisierten hintergründigen Denkanstößen Hallssons wird in „abandoned stories“ zu einer spannungsgeladenen, verrätselten Beschreibung unserer Zeit, in der private Twitterbotschaften gleichwertig neben wissenschaftlich ausgearbeiteten Theorien zu stehen scheinen.

Website Hlynur Hallsson

Website Jenny Michel

 

Die Ausstellung wird gefördert von

Kulturamt der Stadt Kassel
Volksbank Kassel Göttingen eG
Hessische Kulturstiftung
Gerhard-Fieseler-Stftung