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Nam June Paik ohne Video?
Der koreanische Begründer der Videokunst ohne sein Medium, das Massenmedium TV?
Der Kasseler Kunstverein präsentiert ausgehend vom Leben des Kulturnomaden Paik(1932 – 2006) und dem zentralen Begriff des Zen, der Leere (Ku), eine Inszenierung von Arbeiten und Dokumenten aus der Sammlung Wenzel.
„When too perfect, liebe Gott böse“, diese verwirrende Aussage Paiks bringt seine Ideen von Kultur und seine Weltsicht auf den Punkt.
Seinem Lebensalter zugeordnet werden Originaltexte mit Kunstwerken, Auflagenobjekten und dokumentarischem Material in Zusammenhang gebracht.
So wird auf eine „Letzte Wahrheit“, im Zen Koan genannt, verwiesen:
„Was ist Kunst? ist sie der Mond? oder die Fingerspitze, die auf den Mond zeigt“.
Im Kasseler Kunstverein hat ein Generationswechsel stattgefunden. Das neue Team unter Vorsitz von Joel Baumann ist in der Mitgliederversammlung vom 6. März 2013 zum Vorstand gewählt worden und wird ab Spätsommer 2013 die kuratorische Leitung übernehmen.
Baumann, Professor für Neue Medien im Studiengang Visuelle Kommunikation und Prorektor der Kasseler Kunsthochschule, führte bei der Vorstandswahl eine elfköpfige Liste namens „Kasseler Frühling“ an, die mit 85 von 135 abgegebenen Stimmen gewählt wurde. Seine Stellvertreterin Kathrin Rost ist Absolventin der Kunsthochschule Kassel, Studienrätin in Melsungen und Kuratorin der Galerie Coucou, als Kassenwart fungiert Thomas Fröhlich, der als Referent der Kunsthochschule in der Verwaltung der Universität Kassel beschäftigt ist. Gewählt wurden außerdem: Stefan Bast, Michael Göbel, Markus Hanisch, Nils-Arne Kässens, Dirk Pörschmann, Christian Saehrendt, Andrea Schulze Wilmert und Olaf Val.
Die Gruppe, die sich als nonhierarchisches Team von Kuratoren, Kunstvermittlern und Theoretikern begreift, wird in den nächsten Jahren ein unkonventionelles und zeitgemäßes Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm präsentieren, das neben der documenta, der Kunsthalle Fridericianum, den Museen Hessen Kassel und der Kulturlandschaft Akzente zu setzen vermag.
Das Engagement des neuen Teams zielt darauf, in Kassel relevante Positionen junger Gegenwartskunst zu zeigen und diese mit einem vitalen und vielseitigen Veranstaltungs- und Vermittlungsprogramm zu begleiten. Die intensive Zusammenarbeit mit den Künstlerinnen und Künstlern ist dabei neben der Kunstvermittlung das Herzstück des Ausstellungskonzepts. Nach dem Motto: „Carte blanche für die Künstler“ wird die Freiheit, die die Institution Kasseler Kunstverein bietet, von Seiten der Kuratoren an die Künstler weitergegeben.
Unser Dank gilt allen ehemaligen Vorstandsmitgliedern für ihr Engagement in den letzten Jahren und Jahrzehnten, an dieser Stelle genannt die Mitglieder des letzten Vorstands:
Bernhard Balkenhol, Werner Demme, Sebastian Fleiter, Susanne Jakubczyk, Meinrad Ladleif, Christof Nolda, Jürgen O. Olbrich, Heide Rattemeyer und Marian Stiehler.






Wieder zurück im Museum Fridericianum zeigt der Kasseler Kunstverein als erste Ausstellung MaxFrisinger, Anselm Reyle, Jan Scharrelmann und Florian Slotawa. Die sehr unterschiedlichen künstlerischen Positionen treffen sich unter dem Titel „schön komplex – komplex schön“.
Schönheit eines Werkes scheint zunächst das zu sein, wasvorbehaltlos fasziniert.
Solche Schönheitbaut auf dieErfahrungen und Werte auf, die der Betrachter mitbringt. Sich in dieser Weise ohne Verantwortung wohlfühlen, ist die affirmative Seite, sich der Strukturen, die zu diesem Gefühl führen – auf beiden Seiten - bewusst zu werden, ist die andere. Denn in der Schlüssigkeit, oder besser in der Ästhetik der Struktur einer künstlerischen Arbeit liegt eine komplexere Schönheit, jenseits der Oberfläche. Struktur meint nicht einfach das formal ästhetische Gerüst eines Werkes sondern die Komplexität der Arbeit als Ganzes, von der Konzeption über den Prozess der Herstellung, von den Motiven über die Argumentation – inhaltlich und ästhetisch – bis hin zur Position – wieder inhaltlich und ästhetisch, die der Künstler mit seiner Arbeit einnimmt. So kann eine Arbeit komplex schön undschön komplex gleichzeitig sein.
Die Ausstellung versucht, die Spannbereite von Schönheit und Komplexität an vierkunstbegrifflichenPositionen festzumachen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie eine Kunst produzieren, die sich in allen Bezügen über Kunst als Kunst definiert, die also reflektiert, wie Kunst aus Kunst zustande kommt. Sie ist ihnen nicht nur Vorlage oder Widerpart, sondern Gegenstand und Medium, und das von den Motiven und Strategien bis hin zu den Utopien, denen sie sich verpflichtet fühlt. Interessant dabei ist, dass es nicht die klassische Kunst ist, auch nicht die klassische Moderne, sondern die Kunst von heute bis zurück in die 60/70er Jahre, der zweiten Moderne also, die hier vergegenwärtigt werden soll.
Anselm Reyle ist bekannt für die inszenierte Faszination. In scheinbar postmodernem Zitat veredelt er Weggeworfenes, Alltägliches, Kitsch und Kunst, zu seriellen mythologischen Motiven. Die hochglänzende Fassade allerdings ist auf den zweiten Blick durchsichtig und zeigt ihre eigene Rückseite, ihr Konstruktionsgerüst – und das wieder als Fassade. So sehr die Hochglanzfolie in einer seiner Serien also glänzt, bleibt sie doch sichtbar Folie, die angewiesen ist auf das Licht, das auf sie fällt.
Max Frisinger unterläuft den Sinn stiftenden Zusammenhang von Gegenstand und seiner Bedeutung, von Form undFunktion und baut so dreidimensionale Kompositionen zu konkreten Bildern von Komposition. Seine Vitrinen aus gefundenen und zerstörten Gegenständen diskutieren den Nouveaux Realisme eines Arman neu. Seine fragmentierten Heizkörper, zu Skulpturen aufgestellt, machen den Hochglanz-Hasen und -Herzen eines Jeff Koons Konkurrenz.
Jan Scharrelmann dagegen baut konkrete Objekte aus dem Material, aus dem die Malerei ist: Pigment und Bindemittel. Allerdings werden dieses „Bildobjekte“ in umgekehrter Reihenfolge „gemalt“, von dem Schlussfirnis über die Farbe als pures Pigment in den Malgrund. So entsteht aus bloßem Material eine hochgradig illusionistische Oberfläche, die als Objekt in den Raum gestellt ein faszinierender Gegenstand wird.
Florian Slotawas Konzept ist bei aller Objekt- und Bildhaftigkeit ein Handlungskonzept. Die zu seltsamenBehausungen umgebauten und arrangierten Hotelzimmereinrichtungen gibt es nur als Fotos, und sie sind fast stärker in der Imagination dieser Aktion denn als Skulptur. Wenn er in sportlichem Dress und Ehrgeiz bedeutende Museen und Ausstellung durchläuft, dabei die Bilder und Skulpturen ignoriert, ist das nicht nur eine Seitenbemerkung über die Aura des Kunstwerks, des Museums und deren auratisierende Kunstvermittlung, sondern der Kurzschluss zweier fremder Wertesysteme.
Mit dieser Ausstellung verabschiedet sich Bernhard Balkenhol, der für den Kasseler Kunstverein 18 Jahre lang als Vorsitzender Verantwortung getragen hat. Das Gerüst wie das Gesicht dieser Ausstellung, aktuelle Künstlerpositionen in einer thematischen und gleichzeitig kunstbegrifflichen Ausstellung zur Diskussion zu stellen, zeigen noch einmal, was sein Interesse als Kurator und sein Verständnis von der Aufgabe eines Kunstvereins sind. Kuratorischer Partner ist, wie schon oft, Werner Demme, der sich nach langjähriger Mitarbeit im Vorstand ebenfalls verabschiedet.
Öffnungszeiten der Ausstellung
Di - So 11 - 17 Uhr
Do 11- 20 Uhr
Sonderführungen für Gruppen können sie gerne telefonisch oder per Mail mit uns vereinbaren.
