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Zu Gast im Kasseler Kunstverein:

copyright No. 8: Vom Himmel der Ästhetik und die Moral von der Geschicht' - eine künstlerische Intervention im Spannungsfeld von Kunst, Naturwissenschaft, Ethik und Religion

10.-18.7.2010, täglich von 11 bis 18 Uhr

Pablo Alonso, Hauenschild / Ritter, Patrick Huber, Ute Lindner, Urs Lüthi, Bjørn Melhus, Annelies Štrba und Tobias Trutwin

Auf Einladung der Walter-Heilwagen-Stiftung realisiert das Berliner Kunstprojekt copyright im Kasseler Kunstverein ein moderiertes Gespräch mit Kurzvorträgen aus den Bereichen Kunst, Ethik, Religion und Naturwissenschaft, das in ein begleitendes Essen eingebunden ist und sich als Symposium im Gewand der Kunst bezeichnen lässt. Über die Vortragenden hinaus sind weitere WissenschaftlerInnen und Fachleute eingeladen, um dem gemeinsamen Gespräch zusätzliche Impulse zu geben.

Die Veranstaltung findet in einem eigens dafür angefertigten Objektensemble statt. Parallel dazu ist eine Ausstellung zu sehen, die am 10. Juli um 11 Uhr eröffnet wird und hier schon als Preview zu besichtigen ist. Die ausstellenden KünstlerInnen werden größtenteils ebenfalls an der Veranstaltung teilnehmen.

An diesem Abend, bei dem es nicht nur um geistige, sondern eben auch um irdische Nahrung geht, gehört der kulinarische Beitrag zum Gesamtkonzept, denn bekanntlich heißt es – zumindest bei Brechts Dreigroschenoper: "Zuerst müßt ihr uns was zu fressen geben, dann könnt ihr reden: damit fängt es an."

 

BACK TO KASSEL

1. Mai bis 27. Juni 2010

Jupp Ernst (Kassel 1954-1968)

F. C. Gundlach (Kassel 1947-1949)

Günter Kupetz (Kassel 1962-1974)

Peter Raacke (Kassel 1958-1963)

Der Kasseler Kunstverein präsentiert in der Ausstellungsreihe "BACK TO KASSEL" Vertreter verschiedener künstlerischer Disziplinen, die in Kassel gelebt, studiert oder gearbeitet, die Stadt aber vor mindestens fünf Jahren verlassen haben. Nachdem 1998 bildende Künstler, 2002 Grafikdesigner und Illustratoren und 2004 Fotografen eingeladen wurden, gibt der Kasseler Kunstverein in seinem 175. Jubiläumsjahr Einblicke in das Werk der drei herausragenden international bekannten Designer Jupp Ernst , Günter Kupetz und Peter Raacke sowie des Fotografen F. C. Gundlach .

Ihnen war die nordhessische Metropole für kurze oder längere Zeit Mittelpunkt ihres Wirkens, Lernens und Lehrens. Neben einem Querschnitt durch das kreative Schaffen werden bei dieser Ausstellung diejenigen Arbeiten in den Fokus gerückt, die im engeren wie weiteren Kontext in der Zeit in Kassel entstanden sind. Dass viele dieser Arbeiten in Kassel entworfen wurden, dass ihr Wirken und ihre Lehrtätigkeit in Kassel, aus Kassel heraus in die ganze Welt ausgestrahlt hat, ist oftmals nicht bewusst. Im Kasseler Kunstverein stehen die von ihnen gestalteten Gegenstände, ihre Entwürfe, ihre gebrauchsgrafischen Arbeiten, Produkte und Fotografien im Zentrum. Es sind Arbeiten, die für ihre gestalterische Qualität, Innovation und zeitlose Form Maßstäbe gesetzt und Design- und Fotografiegeschichte geschrieben haben.

Jupp Ernst wird 1954 als Direktor an die wieder eröffnete Werkkunstschule nach Kassel berufen und entwickelt sie zur Ausbildungsstätte für Industriedesigner weiter - unter Einbeziehung der Visuellen Kommunikation, so dass sie sich mit diesem modernen Programm zu einer führenden Schule auch international profiliert. Er gründet die Zeitschrift "form", ruft das "Institut für Industrieform" ins Leben und richtet 1964 für die documenta III die Sonderschau "Industrial Design und Graphik" aus. Neben seiner intensiven Lehrtätigkeit war Ernst einer der renommiertesten Designer im Deutschland der Nachkriegszeit und einer der typischen Vertreter der "Guten Form". Er vertrat alle Bereiche des Designs, agierte zudem als Fotograf, Werbegrafiker, Architekt und bildender Künstler. Vielfältig sind seine prägnanten Entwürfe für Zeichen und Signets namhafter Firmen. Ernst gestaltete das gesamte Erscheinungsbild der Firma Melitta und entwickelte Strategien zur Produktvermarktung durch Konzepte zur Schaufenstergestaltung. Seine Entwürfe für Kaffee- und Teeservices stehen in ihrer Schlichtheit in Dekor und Farbgestaltung synonymhaft für die Produktgestaltung der 1950er Jahre. Seine Keramiken, entworfen und produziert für die Firma Jasba in den 1960er Jahren, zeigen seinen großen Hang zur japanischen Kultur. Das für die farbige Gestaltung von modernen Küchenoberflächen entwickelte Resopal prägte er ebenso durch seine Werbekonzepte wie das Erscheinungsbild der Tapetenfirma Rasch, deren Produkte er in neuartiger Form auf Messen und einem eigens von ihm gestalteten Raum im Tapetenmuseum Kassel inszenierte.

F. C. Gundlach hat als Fotograf über Jahrzehnte die Mode begleitet, sie dokumentiert und inszeniert sowie durch seine Art der Darstellung und ihre Verbreitung durch die Printmedien auch die Menschen selbst, ihre Wünsche und Sehnsüchte und ihr Umfeld maßgeblich beeinflusst. Er hat schließlich selbst ein Stück Designgeschichte geschrieben. Seine Arbeiten spiegeln den Wandel der Mode von der Haute Couture bis zum Prêt-à-porter und zeigen den Wechsel von Schönheitsidealen. Perfektion im Handwerk, kreative Inszenierung und Wahl eines außergewöhnlichen Ambientes zeichnen die Fotografien von Gundlach aus. Sie sind auf das Notwendigste reduziert und grafisch klar strukturiert, zeigen trotz ihrer kühlen Strenge oft eine emotional sinnliche Komponente. Kassel als Stadt der Kinos und des Films in den 1950er Jahren zollt der Kasseler Kunstverein Anerkennung durch eine Auswahl von Portraits damaliger Stars und Sternchen, aufgenommen für die Zeitschriften "Film und Frau" und "Gala".

F. C. Gundlach, Op Art-Badeanzug von Sinz. Vouliameni/Griechenland, 1966

Günter Kupetz' Werk steht stellvertretend für den Beginn des Industriedesigns in Deutschland. Mit Berufskollegen wie Peter Raacke gründet er den "Verband Deutscher Industrie Designer", führt die Berufsbezeichnung Industriedesigner ein und etabliert die Ausbildung in Kassel und anderen Hochschulen für Gestaltung.

Seine vielfältigen Entwürfe für Cromargan-Teile haben das einzigartige Erscheinungsbild der Firma WMF in den1960er Jahren maßgeblich geprägt, beeinflussten die Wertschätzung eines Alltagsgegenstandes und sind bis heute Teil der Tischkultur geblieben. Die Herausforderung, mit dem neuen Material Kunststoff den Produkten die adäquate Form zukommen zu lassen, zeigt sich in seinen Entwürfen für Haushaltswaren der Firma Schumm. Als innovativ und visionär sind die Entwürfe für Telefongeräte der Firma Telefunken zu bezeichnen. Ganz eindeutig ist sein Name mit der sogenannten "Perlenflasche" verbunden. Ausgezeichnet mit dem Bundespreis "Gute Form" wird sie seit 40 Jahren unverändert von der Genossenschaft Deutscher Brunnen hergestellt und vertrieben. Als das meist produzierteste Designobjekt der Welt ist ihre Popularität konkurrenzlos.

Günter Kupetz, Normbrunnenflasche, Klarglas, 1968/69

Mit dem Namen Peter Raacke verbindet man das zum Designklassiker gewordene Besteck "mono-a", das er 1959 in seiner Kasseler Zeit entwickelte und von der Firma Hessische Metallwerke Gebr. Seibel in Ziegenhain auf den Markt gebracht wurde. Es ist der konsequente Gegenentwurf zur Formensprache der 1950er Jahre mit seinen Nierentischen und Tütenlampen: sachlich, reduzierte Form, konsequent funktional. Immer wieder wurde das Besteck von Raacke analog zum Zeitgeschmack variiert oder ergänzt: "mono-clip", "mono-e" und "mono-ring" . Bis heute hat es an Modernität, Aktualität und Zeitlosigkeit nichts verloren. Den Puls der 1960er Jahre trafen und prägten seine Möbel aus Wellpappe: Möbel für junge Leute in der Ära des Aufbruchs und der Mobilität, preiswert, minimalistisch in der Form, objekthaft und bereits dem Recyclinggedanken verhaftet und ökologisch visionär - Möbel für progressive Intellektuelle und Studenten. Wie auch der sogenannte "Revoluzzerkoffer", ursprünglich konzipiert als kostengünstig zu produzierender Kunststoffbehälter für Werkzeug, avanciert er Mitte der 1970er Jahre zum Kultkoffer für Designer und andere Kreative, Understatement signalisierend im Gegensatz zum repräsentativen Managerkoffer.

Peter Raacke, Werkzeugkoffer für die Firma Ruddies Bugmöbel, Polypropylen, 1966

 

Jeanette Schulz/Aylin Uçar

Begleitende Ausstellung zur Tagung des Klinikums Kassel

"Das Gehirn altert - Neurodialog 2010"   

27.–29. Mai 2010

Begleitend zur Tagung des Klinikums Kassel "Das Gehirn altert - Neurodialog 2010" zeigt der Kasseler Kunstverein eine Ausstellung mit zwei Künstlerinnen, die sich auf spezifisch künstlerische Weise mit Fragen der Arbeitsweise des Gehirns beschäftigen.

Jeanette Schulz (*1967) arbeitet seit vielen Jahren mit Wissenschaftlern, speziell mit Medizinern verschiedener Fachrichtungen zusammen. Nicht nur, dass sie komplizierte Operationen zeichnerisch darzustellen weiß - wie kein Video es leisten kann - sie entwickelt Schautafeln und Modelle komplexer Systeme, um deren Arbeits- und Wirkungsmechanismen darzustellen und zu reflektieren. Dabei bedient sie sich künstlerischer Wahrnehmungs- und Denkformen und unterläuft so gewohnte, scheinbar gesicherte Erklärungsmethoden der Illustration in der Medizin und in der Naturwissenschaft. Diese künstlerische Freiheit in der bildsprachlichen Repräsentation befreit so auch das Denken auf wissenschaftlicher Ebene und schafft Anschaulichkeit auf neuem Niveau.

Jeanette Schulz, "Gedächtnisfrüchte", 1990

Aylin Uçar (*1981) geht ihrer eigenen Erinnerung nach und fragt, wie sie zustande kommt. Eine kleine Kugel in der Hand, Farbe und haptische Anmutung, ist Startpunkt für eine künstlerische Forschung über das Gehirn, das Gedächtnis und die Erinnerung. Sie führt in die Kindheit zurück und lässt vielfältige Bilder und Gefühle entstehen. Ein großformatiges Blatt nimmt täglich tagebuchartige Eintragungen auf, die sich in ihren Anknüpfungspunkten zu überlagern beginnen und eine Art Wolke oder Fluss bilden. Das Suchen nach Dingen, die Vergangenheit haben, führt sie zu Postkarten- und Familienbildersammlungen, aus denen sie Biografien zu montieren versucht, und schließlich auf den Dachboden des elterlichen Hauses, wo sie ihre Kindheit in Koffern und Kartons aufgehoben findet. Intime Blicke entstehen, die gleichzeitig eine neue Welt eröffnen - und damit zeigen, dass die Erinnerung nicht die tatsächliche Vergangenheit wiederbringt, sondern eigene Konstruktionen aufbaut.

Die Ausstellung ist eine Kooperation von: Klinikum Kassel und Kasseler Kunstverein.

 

51° 18´ 49´´ N 9° 29´ 51´´ E

24. Januar bis 5. April 2010

Stefan Daub (Darmstadt)

Michael Göbel (Kassel)

Silvia Götz (Hamburg)

Milen Krastev (Kassel)

Diana Kühn (Kassel)

Annegret Luck (Hamburg)

Milen Miltchev (Mönchengladbach)

Ingmar Mruk (Kassel)

Charlotte Mumm (Goldenstedt/Amsterdam)

Jörn Peters (Kassel)

Andrea Schüll (Hamburg)

Johannes von Stenglin (Kassel)

Sünje Todt (Kassel)

Daniela Toebelmann (Kassel)

Aylin Uçar (Frankfurt am Main)

Vesselin Vassilev (Kassel)

Es ist nicht einfach, ein künstlerisches Werk auf den Punkt zu bringen. Geografen haben es da einfacher. So bezeichnet 51° 18' 49'' N 9° 29' 51'' E exakt den Standort des Kasseler Kunstvereins auf der Erde. Als Titel einer Ausstellung kann das einerseits ganz einfach bedeuten, dass an diesem Ort die oben genannten Künstler zu orten sind, es kann aber auch heißen, dass sie dort jeweils ihren aktuellen künstlerischen Standpunkt benennen.

16 Künstler sind es, die meisten davon Absolventen der Kunsthochschule Kassel aus unterschiedlichen Studienbereichen, jetzt freie Künstler, Fotografen, Grafiker oder Kunsterzieher. Sie alle verbindet, dass sie im Ausstellungsbetrieb des Kasseler Kunstvereins mitarbeiten oder innerhalb der vergangenen fünf Jahre mitgearbeitet haben und dass sie dort spezifische Erfahrungen über das Ausstellen gemeinsam mit Künstlerkollegen machen konnten. Sie verbindet aber auch, dass sie schon längere Zeit in verschiedensten Kontexten abseits der Koordinaten 51° 18' 49'' N 9° 29' 51'' E  in der Kunst tätig sind.

Der Kasseler Kunstverein gibt ihnen zum Auftakt seines 175. Jubiläumsjahres nicht nur den geografischen Ort, sondern auch den öffentlichen Raum, sich als Künstler in einer gemeinsam erarbeiteten Ausstellung zu formulieren.

Stefan Daub, Portrait des Sängers/Songwriters Scott Matthew, Fotografie, 2008

Michael Göbel, "Deadlock", verschiedene Materialien, 2009

Silvia Götz, Videostill aus "Das Ende der Welt", DVD, 3 Minuten, 2009

Milen Krastev, “Green Cards for Milenia”, Contemporary Bulgarian Art Awards Varna, Bulgarien, Performance, 2009

Diana Kühn, ohne Titel aus der Serie "Los Paul", Digitaldruck, 2009

Milen Miltchev, ohne Titel, Lack auf Aluminium, 2007

Ingmar Mruk, ohne Titel, mehrteilige Plastik, Wabenplatte, MdF, Kunststoffdekor, 2008, Foto: Sven Heine

Charlotte Mumm, „Eine ständige Überwindung I“, Kirschholz, Kunstleder, Wolle, Epoxydharz , 2008, Ausstellungsansicht Ausstellungshalle Frisch, Halle am Wasser in Berlin , 2009, Foto: Stefan Ruissen

Jörn Peters, ohne Titel (Drehtür), Ausstellungsansicht, 2009, Foto: Milen Krastev

Andrea Schüll, Filmstill aus "The Sink“, Video, 5:40 Minuten, 2008

Sünje Todt, "Pigment“, Print, 2007

Daniela Toebelmann, "aqua“, Aquarium, Silikonblasen, Anglergewichte, destilliertes Wasser, Stahlgestell mit Rostpatina, 2009, Foto: Sonja-Marie Bohn

Aylin Uçar, "Erinnerungskarte“, Bleistift auf Papier, 2007/08

 
   
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