Ausführliche
Informationen zum Programm des Kasseler Kunstvereins während
des documenta-Jahres finden Sie unter www.kasselerkunstvereinsheim.de.
MONITORING
Ausstellung von Medieninstallationen
im Rahmen des
24. Kasseler Dokumentarfilm-
und Videofestes
14. bis 18. November
2007
Marcus Charles Bransch
/ Uli Goll (D) | Com&Com (CH) | Katz&Fuchs (D) | Aurélie
Garon (F) | Brenda Goldstein / Alissa Firth-Eagland (CAN) | HÜX'L
XL (D) | Christian Klotz (D) | Melanie Manchot (GB) | Pauline
M'barek (D) | Erik Olofsen (NL) | Julius Popp (D) | Anette Rose
(D) | Christine Schulz (D) | Gebhard Sengmüller (AT) | Tina
Tonagel (D) | Christoph Wachter / Mathias Jud (CH)
MONITORING, die Ausstellung
im Rahmen des 24. Kasseler Dokumentarfilm- und Videofestes, zeigt
16 Medieninstallation von insgesamt 21 internationalen Künstlerinnen
und Künstlern aus sieben Ländern.

Die Medieninstallationen der diesjährigen
Ausstellung wurden aus 400 Vorschlägen, die anlässlich
des 24. Kasseler Dokumentarfilm- und Videofestes eingereicht wurden,
ausgewählt. Für die Auswahl zeichnet sich eine Jury aus
Künstlern, Kuratoren und Kunstwissenschaftlern verantwortlich,
die sich aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Filmladen Kassel,
des Kasseler Kunstverein, der Hochschule
für Bildende Künste Dresden, der Kunsthochschule
Kassel und des Stellwerks zusammensetzt. Dieses Kuratorenteam bildet
seit einigen Jahren ein beispielhaftes lokales Netzwerk aus unterschiedlichen
Kunst- und Medieninstitutionen.
Durch die thematisch offen
gehaltenen Einreichungsbedingungen ist die Ausstellung MONITORING
jedes Jahr ein verkleinertes Abbild aktueller Tendenzen und Positionen.
Sie fungiert als eine Art Seismograph, die vorhandenen Stimmungen
und inhaltlichen Fragestellungen nachspürt. Trotz der Heterogenität
der Arbeiten und ihrer Ansätze lassen sich auch in der aktuellen
Ausgabe von MONITORING narrative und strukturelle Verbindungen feststellen.
Ein wiederkehrendes Element
ist die Beschäftigung mit medienreflexiven Themen. Das führt
zu einer Erweiterung der Spielräume und ermöglichte neue
Zugänge und Sichtweisen. Gebhard Sengmüller zerschneidet
einen 35mm-Kinofilm und montiert die einzelnen Kader in Diarahmen,
die er dann auf zwölf Diaprojektoren verteilt. Alle Diaprojektoren
sind auf den gleichen Punkt ausgerichtet und setzen die Einzelbilder
wieder zu einer chronologischen Sequenz zusammen - aus Standbildern
werden wieder bewegte Bilder, aus Diaprojektoren wieder Filmprojektoren.
Die Apparatur tritt in den Vordergrund und gewinnt an Bedeutung.

Das Entwerfen aufwändiger
Versuchsanordnungen oder experimenteller Apparate lässt sich
auch bei anderen Arbeiten beobachten. Christine Schulz errichtet
eine raumgreifende Installation mit Spiegel- und Styroporelementen,
auf die sie Sequenzen aus Dokumentar- und Spielfilmen über
Naturkatastrophen projiziert und aus ihren eigentlichen Kontexten
löst, neu zusammensetzt und die menschliche Begeisterung für
diese Bilder hinterfragt. Julius Popp findet für die tägliche
Flut an Informationen, die auf uns einströmt, eine scheinbar
sprichwörtliche Übersetzung: An einer an der Decke befestigten
Konstruktion befinden sich magnetische Wasserdüsen, die einzelne
Wassertropfen ausstoßen. Ein Computerprogramm selektiert nach
statistischen Regeln in Echtzeit Schlagwörter verschiedener
Nachrichtenwebsites und überträgt sie in Wasserimpulse.
Vor dem Auge des Betrachters werden die Begriffe und Schlagzeilen
in Form von herabfallenden Wassertropfen sichtbar.
Neben diesen gesellschafts-
und medienkritischen Ansätzen spielt auch die Untersuchung
persönlicher Lebens- und Arbeitswelten eine wichtige Rolle,
wie die Videoinstallationen von Anette Rose oder Melanie Manchot
zeigen. Auf der anderen Seite haben auch virtuelle Welten - mit
all ihrem Eskapismus und den scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten -
nicht an Faszination verloren, wie die aktuelle Installation von
Marcus Charles Bransch und Uli Goll anschaulich verdeutlicht.

Alle ausgestellten Arbeiten
konkurrieren um den mit 2.500 Euro dotierten "Golden Cube", den
Preis für die beste Medieninstallation, der in diesem Jahr
erstmalig von dem Kasseler Softwareunternehmen Micromata Objects
GmbH gestiftet wird. Der Preis ging an den Niederländer
Erik Olofsen für die Medieninstallation ""Public
Figures", die "im besten Sinne des Wortes sichtbar macht, was
unserer Wahrnehmung in ihrer Beschränktheit stets unsichtbar
bleibt." Eine lobende Erwähnung ging an die Arbeit "Zone*
Interdite" von den Schweizer Künstlern Christoph Wachter
und Mathias Jud, die "die Möglichkeiten des World Wide Web
nutzt, um den weißen Flecken auf der Landkarte, der Kultur
der Lager, ein Gesicht zu geben".

Die Ausstellung MONITORING
ist eine Kooperation von:
Kasseler
Dokumentarfilm- und Videofest, Kasseler unstverein, Kulturdezernat/documenta
Archiv der Stadt Kassel und dem Stellwerk.
Abb. v.o.n.u.:
Tina Tonagel,
"Maschine zur Projektion eines Blumenmusters", Medieninstallation,
2007
Christine
Schulz, "ALERT", Medieninstallation, 2006, Foto: Ingo
Rabe
Erik
Olofsen, Public Figures, Medieninstallation, 2007
Christoph
Wachter/Mathias Jud, "Zone*Interdite", Medieninstallation,
2007
KATRIN LEITNER
FLUSSER UNDER CONSTRUCTION
4. - 18. November
2007

Sie
sehen aus wie verbotene Kritzeleien, Über- und Weiterzeichnungen,
Kommentierungen und Fantasiegebilde, die gelangweilte Schüler
in ihren Physik- oder Biologiebüchern hinterlassen - oder auch
wie die Aufzeichnungen eines genialen Forschers, der zu viel Comics
gelesen hat. Und die Zeichnungen und Versuchsaufbauten von Katrin
Leitner sind tatsächlich Forschungen auf künstlerischen
Wegen. Jetzt zeigt der Kasseler Kunstverein in seinen temporären
Räumen in der Oberen Karlsstraße 14 die Ergebnisse ihres
einjährigen Arbeitsstipendiums, das sie im Sommer 2006 von
der Walter-Heilwagen-Stiftung erhalten hat.
Walter
Heilwagen, Schulleiter, Stadtrat, Vorsitzender von Vereinen im Sozial-
und Bildungsbereich, hat in seinem Testament verfügt, dass
der größte Teil seines Vermögens in eine Stiftung
eingebracht werden soll, die seinen Namen trägt. Aus der Rendite
können jährlich "Preise oder Förderbeiträge
ausgeworfen werden für wissenschaftliche, künstlerische,
journalistische oder praktisch humanitäre Leistungen in Kassel
oder von Kassel ausgehend." Die Stiftung soll seine Lebensarbeit
fortsetzen und "Fortschritte in der Humanisierung des menschlichen
und gesellschaftlichen Zusammenlebens erzeugen." In diesem Sinne
wird der Preis der Walter-Heilwagen-Stiftung als ein einjähriges
Arbeitsstipendium vergeben, dessen Ergebnis in einer Ausstellung
und einem Katalog/Buch präsentiert werden.
Katrin Leitner hat den
Kommunikationsforscher und Medientheoretiker Vilem Flusser zu ihrem
Mentor gewählt. Dieser "Anarch der Gelehrten" scheint ihr eine
ähnliche Mentalität zu haben, und seine Forschung eine
wegweisende Grundlage ihrer Wahrnehmung, ihres Denkens und künstlerischen
Arbeitens zu sein. Seine These vom Ende der als Text geschriebenen
Geschichte, dem Ende der immer noch analogen Kunst und dem Beginn
einer "Revolution der Bilder", einem durch Technobilder programmierten
Wertesystem, dessen Bedeutungsproduktionen wir noch nicht kennen,
fasziniert sie. In ihrem Projekt "FLUSSER UNDER CONSTRUCTION" geht
es ihr allerdings nicht um die Illustration solcher Thesen, sondern
um "paralleles Arbeiten", um den Versuch also, im Sinne Flussers
in digitalem Layout künstlerisch zu denken. Katrin Leitner
fühlt sich als sein "Zauberlehrling", der beim Ausprobieren
auch manchmal Angst hat, ob er noch im Griff hat, was er in Flussers
Sinne in Gang gesetzt hat.
Zur Ausstellung erscheint
ein Katalogbuch, das Katrin Leitner nicht nur als Dokumentation,
sondern wie die Weiterführung ihrer Forschung gestaltet hat.
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