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1997 |
Hans
Schabus — "INNERE SICHERHEIT"
Arnold-Bode-Preisträger
2006
22. Oktober - 26. November 2006
Hans
Schabus, 1970 in Watschig, Österreich, geboren, in Wien
zu Hause, ist der Arnold-Bode-Preisträger 2006. International
bekannt geworden durch seine Arbeit
"Das letzte Land", die Überbauung
des österreichischen Pavillons mit einem Bergmassiv auf
der Biennale in Venedig 2005, bietet der Kasseler Kunstverein
dem Bildhauer einen nicht weniger prominenten Ort an: das Museum
Fridericianum. 1779 errichtet, war es das erste als Museum errichtete
Gebäude auf dem europäischen Kontinent, beherbergte verschiedene
Sammlungen, künstlerische wie wissenschaftliche, war Bibliothek
und Kuriositätenkabinett, wurde 1810 umgebaut zum ersten Parlament
auf deutschem Boden, war Opfer der fast völligen Zerstörung
im Zweiten Weltkrieg und wurde durch Arnold Bode schließlich
zum Stammhaus der documenta.
Hans
Schabus findet in diesem Gebäude seine Schnittstelle zum Begriff
des Museums, das ursprünglich der Tempel der Musen war, den
Schutzgöttinnen der Künste und Wissenschaften geweiht.
Inzwischen sind Kunst und Wissenschaft selbst in die Tempel eingezogen,
die Tempel sind in Paläste und Prunkräume verwandelt
worden, schließlich in Schutzbauten für Sammlungen und
Orte zur Wahrung des kulturellen Besitzes und der Bildung. In diesem
Sinne, so Schabus, sind Museen auch Zellen für die "Innere
Sicherheit"
und der "White Cube" auch soviel wie eine "Sicherungsarchitektur".
Hans Schabus' Interesse gilt aber auch der Tatsache, dass das Gebäude
auf dem aufgefüllten Flutgraben der mittelalterlichenStadtbefestigung
errichtet wurde, die für die Erweiterung der Stadt bis auf
den in das Gebäude integrierten Zwehrenturm geschliffen
wurde. Als 1858 selbiges mit der Wiener Stadtmauer passierte, komponierte
Johann Strauss die "Demolirer Polka".
Dieses
Musikstück nahm Hans Schabus wiederum zum Anlass, um im Frühjahr
in Salzburg (Kontracom06) eine neue Mauer zu errichten. Die
Holzbretter des 6m hohen Bauzauns entsprachen
in ihrer Länge und Anzahl
den Tonhöhen der Melodiefolge
der Polka. Direkt am Haupteingang
des Mirabellgartens
blickten die Gottheiten der griechischen Mythologie nun
von der Balustrade auf die rückseitige,
blinde Wand. Diese "Demolirer
Polka" wird nun im Kasseler Kunstverein
für die Vertonung der "Inneren Sicherheit"
herangezogen, und steht für eine der
Musen, die wieder in das Museum zurückgeholt
werden. Vorher aber wird Hans Schabus die Räume des
Kasseler Kunst-vereins im Fridericianum entkernen, vollständig
zurückbauen, Stellwände und Blendmauern einreißen
und den Kunstverein bloß legen. Alles wird abholbereit gemacht
für den "alle-5-Jahre-Auszug" um der "documenta" Platz
zu machen, während die Arbeit - der Sicherungs-maßnahmen
entraubt - inmitten von Baumaterialien, Werkzeugen und Lagerwaren
weitergeht.
Abb.: Hans Schabus — "INNERE SICHERHEIT",
Installationsansichten, Kasseler Kunstverein, 2006, Fotograf:
Stefan Daub
MONITORING
Medieninstallationen
im Rahmen des 23. Kasseler Dokumentarfilm- und Videofestes
8. bis 12. November 2006
MONITORING,
die Ausstellung im Rahmen des 23. Kasseler Dokumentarfilm- und
Videofestes, zeigt Medieninstallationen von 16 internationalen
Künstlerinnen und Künstlern. Die Spannbreite reicht dabei
von der experimentellen Auseinandersetzung mit alternativen Computerformen
und performativen Aspekten bis hin zu raumgreifenden Videoprojektionen.
Schwerpunkte der Ausstellung sind in diesem Jahr architektur- und
gesellschaftsbezogene Themen, sowie biografisch ausgerichtete Arbeiten,
die das Interesse der Künstlerinnen und Künstlern an
sozialen und politischen Entwicklungen zeigen und durch ihre ganz
eigene Perspektive erweitern und verändern.
Die
Medieninstallationen der Ausstellung MONITORING wurden aus 353
Vorschlägen, die anlässlich des
23. Kasseler Dokumentarfilm- und Videofestes eingereicht wurden,
ausgewählt. Für die Auswahl zeichnet sich eine Jury aus
Künstlern, Kuratoren und Kunstwissenschaftlern verantwortlich,
die sich aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Filmladens,
des Kasseler Kunstvereins, der Kunsthalle Fridericianum und der
Kunsthochschule Kassel zusammensetzt. Dieses Kuratorenteam bildet
seit einigen Jahren ein beispielhaftes lokales Netzwerk aus unterschiedlichen
Kunst- und Medieninstitutionen.
Alle ausgestellten Arbeiten konkurrieren
um den mit 2.500 Euro dotierten "Golden Cube", den Preis für
die beste Medieninstallation, gestiftet von RITTER SPORT.
Ausstellende Künstlerinnen und
Künstler:
Ulf Aminde, Berlin | Battery Operated, Wilmslow/UK
| La belle Imira, Berlin | Markus Bertuch, Kassel | Felix Böttcher,
Kassel | Michael Brynntrup, Berlin | Fran ç ois Bucher,
Berlin/New York | Christiane Feser, Offenbach | Francis Hunger,
Essen | Ute Friederike Jürß, Lübeck | Roman Kirschner,
Köln | Angela Melitopoulos, Berlin | Jörn Peters, Kassel
| Aubrey Reeves, Toronto/CAN | Julika Rudelius, Amsterdam/NL |
Amie Siegel, New York/USA
Die Ausstellung MONITORING ist eine Kooperation von: Kasseler
Dokumentarfilm- und Videofest, Kasseler Kunstverein, Kulturdezernat/documenta
Archiv der Stadt Kassel, Stellwerk.
Abb. v.o.n.u.: Ulf Aminde,
Das Leben ist kein Wunschkonzert, Medieninstallation, 2006, Courtesy
Uwe Walter; 4. berlin biennale für zeitgenössische
kunst/4th berlin biennial for contemporary art, 2006; Jörn
Peters, Ich mein was wir uns vorstellen, Medieninstallation,
2006
Poetische Positionen II
1. September - 8. Oktober
2006
Eröffnung: 31. August
2006, 19 Uhr
Kurator: Jürgen O. Olbrich
Jens Carstensen , D
Max Christian Graeff ,
CH
Bernard Heidsieck ,
F
Yoko Ono ,
USA
Bernd Salfner ,
D
Joachim Schmid ,
D
W.
Mark Sutherland , CAN
"Poetische
Positionen II" ist die Fortsetzung einer Ausstellungsreihe des
Kasseler Kunstvereins, die 2004 damit begonnen hat, Künstler
vorzustellen, die auf unterschiedliche Art und Weise in den Bereichen
Bildende Kunst und Sprache arbeiten. Nachdem in der Ausstellung "Poetische
Positionen I" Arbeiten gezeigt wurden, die die Sprache als elementare
Darstellungsform der Kunst nutzen, wird das Schwerpunktthema von
"Poetische Positionen II" Text, Klang und Sound sein. Initiiert
hat diese Reihe Jürgen O. Olbrich, selbst Künstler, der
seit vielen Jahren mit Text und Sprache arbeitet.
Der Kasseler Kunstverein zeigt in der Ausstellung sieben sehr
verschiedene künstlerische Positionen. Den Künstlern
geht es nicht darum, die Grenzen der Bereiche Bildende Kunst, Literatur
und Musik aufzuheben, sondern im Gegenteil, Überschneidungen
und synergetische Effekte herzustellen. Das Spektrum von "Poetische
Positionen II" ist breit gefächert: Künstler mit
unterschiedlichstem Background (Performance, Fotografie, Komposition,
Klang-Aktion) aus unterschiedlichen Generationen mit unterschiedlichen
Herangehensweisen und Positionen treffen hier aufeinander. Das
reicht von der bildlichen und sprachlichen Dokumentation einer
Schiffsreise von Bremerhaven nach Kassel des Komponi sten
und Klang-Aktionisten Jens Carstensen, über Collagen aus Ton-
und Textspuren des in Paris lebenden Sprachpoeten Bernard Heidsieck
bis hin zu Schallplatten-Installationen des kanadischen Künstlers
W. Mark Sutherland. Für diese Ausstellung konnte auch die
New Yorker Künstlerin Yoko Ono gewonnen werden, deren poetische
Arbeiten nicht nur auf den Wänden und Decken im Kasseler Kunstverein
gezeigt werden, sondern die auch im gesamten Stadtgebiet Kassels,
für jedermann les- und sichtbar, eine neue Arbeit realisieren
wird.
Ergänzt wird die Ausstellung durch
ein umfangreiches Rahmenprogramm. So sind unter anderem Sound-Performances
der Künstler Max Christian Graeff und W. Mark Sutherland für
die Ausstellungseröffnung und zur Kasseler Museumsnacht geplant.
Zum Ausstellungsende
wird ein Katalog erscheinen.
Öffentliche, kostenlose Führungen
finden jeden Sonn- und Feiertag um 16.30 Uhr statt (außer
3.9., 10.9.)
Mit freundlicher Unterstützung
der Botschaft von Kanada in Deutschland. 
Abb. v.o.n.u.: Bernd
Salfner beim Hängen seiner Arbeit "schwestern, begeistert
(Picasso)", PVC-Schredder, 2006, Fotograf: Stefan Daub; Yoko
Ono, "TRÄUME !", Postkarte, Plakat, 2006
Lieber Friedrich,
Stipendiatinnen
& Stipendiaten der Künstlerförderung des Cusanuswerks
zu Gast im Kasseler Kunstverein
9. Juli - 11.
August 2006
Im
Jubiläumsjahr 2006, zugleich dem 15. Jahr der Künstlerförderung
im Cusanuswerk, findet unter dem Titel "Lieber Friedrich," die
6. Abschlussausstellung der Künstlerförderung des Cusanuswerks
statt. Auf Einladung des Kasseler Kunstvereins werden 14 junge
Künstlerinnen und Künstler mit ihren Positionen vertreten
sein.
An wechselnden Orten und unter wechselnden
Titeln finden sich seit 1993 alle zwei bis drei Jahre jeweils die
Künstlerinnen und Künstler zu eine r
gemeinsamen Ausstellung zusammen, die am Ende ihres Studiums und
damit auch ihrer Förderung durch das Cusanuswerk stehen. Wesentlich
für das Format der Abschlussausstellung ist dabei die Idee
des gemeinsamen Kuratierens. Die Künstlerinnen und Künstler
erarbeiten gemeinsam ein Konzept, geben der Ausstellung einen Titel
und gestalten den Katalog. In Anbetracht dessen, dass es bei dieser
Ausstellung nicht nur um den Abschluss einer in weiten Teilen gemeinsam
erlebten Förderzeit geht, sondern auch um die Bewerbung um
ein weiterführendes Stipendium, ist dies keine leichte Aufgabe.
Und doch kann gerade
in dem Ringen um ein schlüssiges Konzept, das die Eigen- und
Eigensinnigkeiten der jeweiligen Künstlerpersönlichkeiten
nicht nivelliert, dennoch aber auch gemeinsame Fluchtpunkte des
künstlerischen Schaffens sichtbar werden lässt, etwas
von dem deutlich werden, was die Zeit im Cusanuswerk bestimmt hat:
Das Beschreiten des eigenen Weges, ohne die Verantwortung für
das Ganze aus dem Blick zu verlieren. Im
Rahmen der Abschlussausstellung 2006 wird das weiterführende
Georg-Meistermann-Stipendium vergeben. Das mit monatlich 800 €
dotierte Georg-Meistermann-Stipendium ermöglicht jungen Künstlerinnen
und Künstlern unmittelbar nach dem Abschluss ihres Studiums
zwei Jahre lang ein intensives Arbeiten und umfasst zudem die Finanzierung
einer Einzelausstellung. Die Entscheidung über die Vergabe
des Georg-Meistermann-Stipendiums 2006 wird im Rahmen der Finissage
bekannt gegeben.
Beteiligte KünstlerInnen: Robert Barta
| Nine Budde | Mariechen Danz | Robert Elfgen | Luka Fineisen |
Ellen Hutzenlaub | Antonia Low | Rana Matloub | Nadine Nordmann
| Edith Plattner | Kathrin Schlegel | Peter Schmitt | Marina Schulze
| Stefan Silies
Abb. v.o.n.u.: Peter Schmitt hinter seiner Arbeit „Blömscha“ (008#06),
Installation, 2006; Stefan Silies, Der verzauberte Leutnant,
audiovisuelle Installation, 2006; Nadine Nordmann, Gemeinsam
einsam, Öl auf Leinwand, 2006; Nadine Nordmann, Begrenzte
Unendlichkeit, Objekt (Perlenkette), 2006; Fotograf: Stefan Daub.
2 aus ... Stuttgart: Christine
Rusche | Georg Winter
14. Mai - 25. Juni 2006
Kurator: Werner Demme
"2 aus ..." ist eine Ausstellungsreihe, bei der einem Vorstandsmitglied
des Kasseler Kunstvereins die Kuratorenschaft mit der Vorgabe übertragen
wird, den Blick auf eine deutsche Stadt zu lenken und 2 Künstler,
die vornehmlich in dieser Stadt leben und arbeiten, zu einer Ausstellung
in die Räume des Kasseler Kunstvereins einzuladen. Nach Düsseldorf
und Berlin fiel die Wahl des Kurators Werner Demme bewusst auf
Stuttgart, eine Stadt, die augenblicklich vielleicht nicht im Zentrum
des allgemeinen Interesses und dem Lebensmittelpunkt junger Kunstschaffender
liegt, in der aber dennoch aus der Arbeit einer renommierten Akademie
sowie aus hochkarätigen Stipendien heraus immer wieder interessante
künstlerische Positionen hervorgehen. Die "2 aus ... Stuttgart" sind
Christine Rusche und Georg Winter.
Christine
Rusche (geb. 1971) bezieht ihre Arbeiten direkt auf den jeweiligen
Ausstellungsraum. Es sind "Raum-Zeichnungen", die aus abstrakten,
in monochromen Schwarz und Weiß gehaltenen raumgreifenden
Zeichnungen bestehen, welche in die Architektur des Ausstellungsraumes
eingearbeitet sind. Die gemalten, flachen Formen oder auch skulpturalen
Elemente, die sie integriert, betonen und brechen gleichzeitig
die architektonische Struktur des Raumes. Dies erreicht sie durch
eine Verrückung der Perspektive. Die Veränderung
der gewohnten Wahrnehmung führt beim Betrachter zu einer Verunsicherung,
aber auch zu einer Sensibilisierung und Auseinandersetzung mit
dem neu entstandenen Raum. Der Betrachter kann sich damit auseinandersetzen
und muss ihn aktiv erforschen, um ihn zu begreifen. Zudem entsteht
durch die Verschmelzung von Architektur, Skulptur und Zeichnung
eine neue Einheit, die die Zeichnung für den Besucher physisch
erfahrbar und die Arbeit zu einem Erlebnisraum macht. Für
den Kasseler Kunstvereins hat sie eine neue, raumbezogene Arbeit
entwickelt.

Georg Winter ( geb. 1962) wird in Kooperation
mit Manfred Ballmann (Apotheker), Dr. Roman Buxbaum, Ute Heddergott
(Supervisorin), Adalbert Hösle (Retrogradist) und dem Technischen
Hilfswerk Kassel für seine Ausstellung im Kasseler Kunstverein
am Eröffnungstag, Sonntag 14. Mai, ab 11 Uhr eine Katastrophenschutzübung
für kulturelle Massenveranstaltungen (cded: cultural disasters
emergency drill 2006/2007) durchführ en.
Bei dieser Übung sollen psychosomatische und mentale Zustände,
die beim Besuch einer Massenveranstaltung auftreten können,
erkannt, behandelt und untersucht werden. In die Räume des
Kasseler Kunstverein wird ein Behandlungsraum integriert. Bei leichten
Problemen soll dort die Selbstmedikation der Beteiligten angeregt
werden. In komplexeren Fällen steht Fachpersonal zur Verfügung,
das bei akustischen Reizungen dämpfende oder anregende Maßnahmen
erprobt, bei visuellen Reizungen Augentrost verabreichen wird.
Ergänzt wird die Aktion durch ein umfangreiches Handbuch,
das zur Eröffnung erscheint und kostenlos ausgegeben wird.
Es enthält einen einleitenden Text von Ute Heddergott (Supervisorin)
und zahlreiche Übungen und Hilfestellungen im Katastrophenfall.
Während der gesamten Ausstellungsdauer werden Behandlungs-
und Regenerationsräume dem Publikum zur Verfügung stehen.
Abb. v.o.n.u.: Christine Rusche, SNATCH (Raum-Zeichnung),
Dispersion auf Wand, 2006; Georg Winter, Bereitstellungsraum,
Installation 2006; Apotheker Manfred Ballmann bei der Behandlung
einer Patientin mit UCS-Augentrost. Fotos: Diana Kühn, Kassel.
N E U E R
R E I C H T U M
11 Positionen
_ Kunsthochschule Kassel
5. Februar - 23. April
2006
Kuratoren: Bernhard Balkenhol und Dirk
Pörschmann
Joel Baumann / Neue Medien
Hendrik Dorgathen / Illustration
Jakob Gebert / Möbeldesign
und Ausstellungsarchitektur
Kai-Uwe Hemken / Kunstwissenschaft
Andreas Hykade / Trick-
und Animationsfilm
Wolfgang Jonas / Systemdesign
Bjørn Melhus / Bildende
Kunst, Virtuelle Realitäten
Jürgen Meyer / Malerei
Else Gabriel / Basisstudium
Kunst
Bernhard Prinz / Fotografie
Tanja Wetzel / Kunst- und Medienpädagogik
Die
Kunsthochschule Kassel ist wieder (fast) komplett. Ein Drittel
der Professuren wurde in jüngster Zeit neu besetzt - nicht
nur ein Generationswechsel, ein NEUER REICHTUM! Mit der
wiedergewonnenen Autonomie vor fünf Jahren sind die Vertreter
der verschiedenen Disziplinen aufeinander zugegangen, haben gemeinsame
Visionen entwickelt, Synergien entdeckt und effektive Möglichkeiten
gefunden, die professionelle Heterogenität als kreatives und
innovatives Potential nutzbar zu machen. Bereits die Berufungskommissionen
waren fächerübergreifend besetzt. So verwandelt sich - der "Rundgang
2005" hat dies gezeigt - die bereits 1777 gegründete Akademie
in eine moderne interdisziplinäre Hochschule für Kunst,
Kunstwissenschaft, Kunstpädagogik, Visuelle Kommunikation
und Design, die sich in der Akademienlandschaft Deutschlands sehen
lassen kann.
Der Kasseler Kunstverein, der bereits 1996 die "Sechserbande" vorstellte,
so die Kunstzeitschrift art (Ausgabe 5/1996) über die damaligen
Neubesetzungen (Barbara Hammann, Urs Lüthi, Norbert Radermacher,
Rob Scholte, Alf Schuler und Dorothee von Windheim), lädt
auch "Die Neuen" ein, sich der Öffentlichkeit vorzustellen,
und fragt: Belebt der Zuwachs internationaler Marken das Geschäft?
Was bringt jeder mit aus seiner Profession? Was ist sein Medium,
sein Werk, sein Thema? Wie ist seine Arbeits- und Denkweise? Welche
Auffassungen von Kunst, von Kunstwissenschaft und Medienpädagogik,
von Visueller Kommunikation und Design stellen sich hier vor?
Der
Kasseler Kunstverein macht aus den Antworten eine Ausstellung.
Es geht um Wahrnehmungsweisen, Denkweisen und Arbeitsformen. Die
Ausstellung zeigt aktuelle künstlerische Arbeiten aus dem
Atelier des Malers Jürgen Meyer, eine fotografisch dokumentierte
Performance von Else Gabriel, aber auch die Quellen, aus denen
Arbeiten entstanden sind, wie etwa den Kostüm- und Kulissenfundus
von Bjørn Melhus oder die Objektsammlungen des Fotografen
Bernhard Prinz. Wolfgang Jonas präsentiert Zukunftsszenarien
für das Jahr 2005, die er als Projektstudie für Radio
DT 64 im Jahr 1997 entwickelt hat. In Modellen, Spielen und Szenarien
denkt auch die Kunst- und Medienpädagogin Tanja Wetzel: im
Rahmen eines studentischen Projekts und in Kooperation mit der
Grafikdesignerin Isabelle Winter und dem Experimentalphysiker Prof.
Dr. Arno Ehresmann hat sie einen Diskurs zum Thema "Berührung" initiiert.
Kai-Uwe Hemken zeigt als kunsthistorischen Kommentar einen Film
von Werner Nekes, in dem die Vielfalt technischer und künstlerischer
Erfindungen, die das menschliche
Sehen und Erzählen erweitert haben, vorgestellt wird. Darüber
hinaus zeigt die Ausstellung eine ganze Wand verschiedener Köpfe
aus dem Kopf von Hendrik Dorgathen. Joel Baumann hat Kameras installiert,
mit denen die Besucher sich selbst porträtieren oder andere
unbemerkt aufnehmen können. Die Videosequenzen werden in einer
Datenbank gespeichert und auf einer Monitorwand wiedergegeben.
Jakob Gebert zeigt Entwürfe und Realisationen seiner Arbeiten
und was Studenten aus seiner Lehre entwickelt haben. Selbst Kinder
kommen nicht zu kurz in dieser Schau: Andreas Hykade hat ihnen
ein Spiel am Computer aufgebaut, bei dem sie dem kleinen Tom helfen
können, das Erdbeerenmarmeladebrot mit Honig zu finden. Hinter
ihrem Rücken läuft für die Erwachsenen im Großbild
der Film "Ring of Fire".
Abb. v.o.n.u.: Andreas Hykade, Toms Desire, Filmstill
aus: Tom und das Erdbeermarmeladebrot mit Honig, 2002; Jürgen
Meyer, Silberschwarz 1, 2003; Hendrik Dorgathen, Selbstgespräch
aus: Kopf, 2006.
AUTO-NOM-MOBILE
15.
Januar - 26. Februar 2006
Kuratoren: Bernhard Balkenhol
und Jürgen O. Olbrich, Kasseler Kunstverein
Dr. Ulrich Lehmann, Victoria and Albert
Museum, London
Kassel,
Januar 2006. Auf breiten Reifen und mit einem Blitzstart geht die
Kunst in der documenta-Stadt auf Fahrt: Der Kasseler Kunstverein
zeigt ganz viel Auto, richtige Autos als Kunst und Kunst ums Auto.
Und weil die gar nicht die Treppe rauf und durch die schmalen Türen
des Fridericianums gehen, ist die Ausstellung im Südflügel
des KulturBahnhofs zu sehen. AUTO-NOM-MOBILE versammelt fast dreißig
Positionen zum Thema Auto und Mobilität, ein buntes Mobile,
das ständig neue Konfigurationen erzeugt. Darunter sind so
berühmte Namen wie Andy Warhol, Frank Stella, John Chamberlain
oder David Hockney, Sylvie Fleury und Christiane Möbus, Andreas
Gursky und Wolfgang Tillmans. Aber dem Kasseler Kunstverein geht
es nicht einfach nur um "große Kunst", vielmehr
zeigt er nach "solo mortale" (2003) und "Poetische Positionen" (2004)
erneut eine thematische Ausstellung, die einen Diskurs eröffnen
will über ein Phänomen, das unsere Wirklichkeit auf vielen
Ebenen bestimmt.
Grundstock
war die Künstlerliste der Ausstellung AUTO-NOM (2003/04)
des NRW-Forums Kultur und Wirtschaft, Düsseldorf. Aus ihr
wurde eine Auswahl getroffen und neue Positionen hinzugefügt,
die das Thema insgesamt neu einfärben und ein eher humoriges
und ironisches Bild zeichnen. So beginnt der Besucher seinen Rundgang
mit dem Besuch einer Ausstellung in der Ausstellung, eine Arbeit
von Wolfgang Hainke, in deren Mittelpunkt eine seltsame Klarsichtgarage
steht, die der todsicheren Aufbewahung von Autos dient, um sie
der Nachwelt unberührt zu erhalten; so stolpert er - etwas
später
- über kleine stromlinienvollendete Rennwagen, entworfen und
gebaut von martinafischer13, Kassel, die immer wieder versuchen
von der Steckdose wezurennen, von der sie ihren Kraftstoff erhalten;
und so stößt er schließlich auf eine Fotografie
von Anton Henning, die ihn selbst, den Pleinairmaler zeigt, wie
er mit seiner Staffelei auf der Wiese sitzt, neben einem schönen
Mercedes und vor seiner schönen Muse mit dem Spiegel, und
malt: ein Blumenstillleben - welch ein Irrtum!
AUTO-NOM-MOBILE bestätigt einerseits die Th esen
des Philosophen Roland Barthes, der schreibt: "Man darf nicht vergessen,
dass das Objekt der beste Botschafter des Übernatürlichen
ist", andererseits wird der Diskurshorizont mit der Replik auf
Thesen aktueller "Bewegungstheoretiker" wie Paul Virilio noch einmal
erweitert. Virilio behauptet, dass sich das Verhältnis des
Autofahrers zu der Welt, die er durchfährt, umkehrt, d. h.
nicht der Autofahrer bewegt sich - er sitzt ja still - , sondern
die Welt dreht sich um ihn, projiziert auf die Windschutzscheibe
wie ein Film. Die Künstlerin Jeanette Schulz hat sich in der
Ausstellung dieses Themas angenommen.
"Protect me from what I want", schreibt Jenny Holzer auf den BMW
V12 LMR Rennwagen. Das Fahrzeug ist nicht nur das schönste
und schnellste der BMW "Art Cars", sondern auch das bedeutungsvollste,
denn Holzer spannt damit den gesamten Bogen von Besetzungen, die
dem Auto anhaften. Einerseits die Faszination an der hoch entwickelten
Technik und andererseits die ungeheuren Emotionen, die das Auto
auslösen kann: Von erotischer Lust an Geschwindigkeit und
Macht bis zu selbstmörderischer Angst vor dem großen
Crash.
Beteiligte Künstler:
Stephan Balkenhol | Stefan Beck/Patrick
Huber | John Chamberlain | Thomas Demand | Sylvie Fleury | Andreas
Gursky | Wolfgang Hainke | Anton Henning | Frank Kästner |
Wilhelm Koch | martinafischer13 | Christiane Möbus | Jürgen
O.Olbrich | Jeanette Schulz | Santiago Sierra | Stefan Sous | Wolfgang
Tillmans | Rubén Ortiz Torres | Erwin Wurm
Art Cars im KulturBahnhof: Alexander Calder | Sandro Chia | David
Hockney | Jenny Holzer | Roy Lichtenstein | A. R. Penck | Robert
Rauschenberg | Frank Stella | Andy Warhol
Abb. v.o.n.u.: Stephan
Balkenhol, Rotes Auto, Rotbuche, farbig gefasst, 1984, Sammlung
Angelika beck, Bad Homburg
Stefan
Beck/Patrick Huber, Dog Breath, Holz, Lack, Rollen, Seile/ Ketten,
2000
Anton Henning, Blumenstilleben
No. 209, 2-teilig, Leinwand/C-Print, 1992 |