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solo mortale
13. Dezember 2003 bis 15. Februar 2004
Pablo Alonso, Berlin
Anna und Bernhard Blume, Köln
Com&Com, Zürich
Jonathan Meese, Berlin
Ulrike Möschel, Düsseldorf
Elke Krystufzek, Wien
Anja Schrey, Düsseldorf
Johannes Spehr, Frankfurt
Anett Stuth, Berlin
Johannes Spehr, Jonathan Meese (links)
Nach der
extrem zurückhaltenden Ausstellung 'korrespondenz@maria-eichhorn.de'
antwortet der Kasseler Kunstverein mit einem Kontrapunkt. Die nächste
Ausstellung steht unter dem Titel 'solo mortale'.
Es geht darin um Menschen, die sehr verschieden versuchen, sich
ein Leben zu entwerfen. Sie treten solo auf, wollen im Mittelpunkt
stehen, sich exemplarisch sehen, um sich – vielleicht –
sogar zu behaupten. Das Scheitern ist ihnen ein kalkuliertes Risiko,
ein Risiko mortale, das allerdings zu klein erscheint gegenüber
der Lust des Auftritts und des möglichen Erfolgs. Basteln am
Traum vom Ich oder Rudern im Sumpf der ungeheuren Möglichkeiten
– oder zurücktreten in die Unsichtbarkeit, beide Richtungen
des Selbstversuchs kann man mörderisch nennen, weil jeder damit
sein Leben aufs Spiel setzt – oder besser: ins Spiel wirft.
Das Feld solcher Auftrittsmöglichkeiten ist weit gespannt,
und aktuelle Worterfindungen wie Ich-AG und Scheinselbständigkeit
bis hin zum Selbstmordanschlag, der wohl makabersten Form eines
solo mortale, versuchen das Phänomen auf den Punkt zu bringen.

Jonathan Messe
Die Ausstellung
'solo mortale' will keine Auswahl von ausgesuchten Werken zum Thema
zeigen, sondern versucht einzelnen Künstlerinnen und Künstlern,
die sich mit diesem Thema befassen/ befasst haben, die Möglichkeit
zu geben, Position zu beziehen. So soll eine ambivalente Diskussion
entstehen, die nicht erschöpfend sein kann aber doch einige
wesentliche Markierungen setzt.
com&com
Kuratoren der Ausstellung:
Bernhard Balkenhol und Werner Demme, Kassel, in Zusammenarbeit mit
Sven Ahrens, Köln
Maria Eichhorn
korrespondenz@maria-eichhorn.de
30. August – 23.
November 2003
Die Berliner Künstlerin
Maria Eichhorn thematisiert in ihren Projekten gesellschaftsrelevante
und politische Inhalte und nähert sich von immer neuen Seiten
der Frage nach dem Begriff von Kunst, deren Rezeption, sowie Fragen
zur Autonomie eines Kunstwerks und zu seiner Autorenschaft an. Für
ihre künstlerische Position erhielt Maria Eichhorn den Arnold-Bode-Preis
2002. Der Kasseler Kunstverein realisiert in der Zeit vom 30. August
bis 23. November 2003 ein neues Projekt der Berliner Künstlerin,
welches das Verhältnis von Rezipient und Künstler untersucht.
Da die Künstlerin großen Wert auf die Vermittlung ihrer
Arbeiten legt, wird den Besuchern zur Museumsnacht permanent eine
qualifizierte Mitarbeiterin zum Gespräch zur Verfügung
stehen.

MONITORING
11. bis 16. November 2003
Eine Ausstellung im Rahmen
des 20. Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest in Kooperation mit
dem Kasseler Kunstverein, dem Filmladen Kassel e.V., dem Kulturdezernat
der Stadt Kassel, documenta-Archiv und dem Stellwerk.
Ausstellende Künstler:
Franz Alken, Leipzig - Marco Di Carlo, Alexander Gurko, Petra Lange,
Lars Roth, Arnold von Wedemeyer, Kassel – Florian Zeyfang,
Berlin – Corinna Schnitt, Köln – Courtney Egan,
New Orleans - Claudia Aravena Abughosh, Berlin – Arthur Kleinjan,
Rotterdam – Jennifer Michel, Kassel – Oliver Held, Köln
– Holger Mader, Alexander Stublic, Heike Wiermann, Thomas
Köner, Köln – Nezaket Ekici, Berlin – Harun
Farocki, Berlin – Martijn Veldhoen, Amsterdam – Björn
Schülke, Köln – Jörg Finus, Torsten Hennig,
Berlin - Bjørn Melhus, Berlin – Joel Baumann in Zusammenarbeit
mit Tom Roope und Graham Plum (tomato), Tokio/London
'MONITORING' präsentiert
17 Medieninstallationen in der Ausstellungshalle Südflügel
und weiteren Orten des Kasseler KulturBahnhofs. Um den von der Sparkassen-Kulturstiftung
Hessen-Thüringen gestifteten 'Golden Cube' für die beste
Medieninstallation konkurrieren 15 Arbeiten. Thematisch lässt
sich die Ausstellung mit den Begriffen 'Urbanität' und 'Überwachung'
klammern. Hier sind u. a. Harun Farocki und Corinna Schnitt vertreten.
Darüber hinaus zeigt MONITORING Arbeiten von Bjørn Melhus
und Joel Baumann (tomato), die beide im Wintersemester 2003 ihre
Professuren an der Kunsthochschule Kassel angetreten haben.

2 aus ... Düsseldorf: Stefan Demary | Wolfgang Spanier
1. Juni bis 13. Juli 2003
Durch seine jüngste Mitgliederversammlung
in all seinem Tun bestätigt, blickt der Vorstand des Kasseler
Kunstvereins wieder erneut motiviert in die Zukunft. Selbst dem
kostenaufwendigem Umzug, raus und wieder rein in das Fridericianum,
und den Investitionen für die neuen Einbauten stand die Versammlung
positiv gegenüber.
Ob das so bleibt, wird sich zeigen. Denn jetzt, wo gerade alles
so schön fertig gebaut und weiß ist, funktioniert und
beeindruckt, kommt ein Künstler namens Stefan Demary daher
und will den Strom neu verlegen. Und wenn Stefan Demary neue Kabel
zieht, hat das nichts mehr mit solidem Handwerk zu tun, auch wenn
am Ende irgendwo Licht brennt. Die HILTI (eine sehr robuste, professionelle
Bohrmaschine, die durch jede Wand geht) wird er im Ausstellungsraum
liegen lassen, aber was er angerichtet hat, kann man damit nicht
mehr retten. Was das soll? Vielleicht geht es gar nicht unbedingt
um den Strom für das Licht, die Lampe, die auf einem Tisch
irgendwo am Ende des Raums steht, sondern um die Durchsetzung(skraft)
eines Konzepts. Und das kann ein Handwerker mit der HILTI nun wieder
irgendwie nachvollziehen.
Wolfgang Spanier dagegen hat ein anderes Konzept, ein gegenteiliges.
Er bedient sich der glatten Oberfläche von Plakaten aus Politik
und Werbung, wo Lebenswille und Lifestyle von Jugendlichen Spielvorlagen
für ein anonymes Management sind. HILTI gegen Starschnitt,
könnte man diese Ausstellung vielleicht auch nennen. Ob die
Methoden der Bewusstseinsindustrie weniger hammerhart sind, wäre
zu diskutieren.
Der Kunstverein nennt diese Ausstellung einfach '2 aus … Düsseldorf'.
Dahinter steht das Konzept einer Ausstellungsreihe, für die
jeweils einer der Vorstandsmitglieder eine Ausstellung vorschlagen
und durchführen kann. Ein Freispiel – unter der Vorgabe,
sich eine Stadt zu wählen und dort zwei Künstler zu finden,
die mit- und/oder gegeneinander im Kunstverein auftreten wollen.
Jürgen Olbrich – selbst Künstler – ist der
erste, der zu diesem sportlichen Kunstereignis einlädt. Dass
er gerade diese beiden Künstler aus der Malerfürsten-Stadt
Düsseldorf ausgewählt hat, ist vielleicht aus dem wohltuenden
Abstand zu erklären, den Kassel zu dieser Hochburg des Kunstmarkts
hat.

Mirjam Kuitenbrouwer -
DA SEIN
In Zusammenarbeit mit Jan Goorissen
1. März bis 4. Mai 2003
Die vielen berühmten Künstlerpersönlichkeiten,
die im Kasseler Kunstverein zu sehen waren, sind gegangen, zurück
bleibt, nein, neu aufgebaut ist nun das Atelier des Künstlers
als experimenteller Raum seiner Wirklichkeitskonstruktionen und
seine Werke als Modelle künstlerischer Wahrnehmung. 'DA SEIN'
nennt die junge niederländische Künstlerin Mirjam Kuittenbrouwer,
geboren 1967, ihre Ausstellungsinstallation, denn wohin man auch
immer mit dem Finger zeigt, um DA zu sagen, ist das SEIN doch fraglich,
weil es immer nur das Entdeckte, nur das vom eigenen Auge Gesehene
und Gemeinte bezeichnet.
Kuitenbrouwers 'Atelier' ist begehbar, also DA. Die Künstlerin
- gleichzeitig der erste Betrachter - ist repräsentiert einmal
durch ein riesiges Auge aus Keramik, ein anderes Mal in den verschiedenen
Hilfsmitteln: Glas, Spiegel, Transparentpapier, Kamera, etc., mit
denen sie auf das SEIN, die Wirklichkeit, 'blickt'. Wer es mit ihr
gleichtun will und Fragen an das SEIN hat, kann sich auf eine Schaukel
setzen und mit Mirjam Kuitenbrouwers Videobild schaukeln. 16 Kameras
sind in einem zweiten verdunkelten Raum aufgestellt. Sie bringen
die Landschaften, die sie sehen, gleich mit. Jan Goorissen, ein
Komponist, hat diese 'Bilder' vertont. So ergibt der Titel der Installation
DA SEINS ORATORIUM einen vieldeutigen Sinn. Trauen Sie Ihren Augen
nicht!
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