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Dieter Schwerdtle - Jagdszenen
KünstlerinnenPorträts aus 25 Jahren
15. Dezember 2002 bis 9. Februar 2003
Der Kasseler Kunstverein,
wieder zurück im Fridericianum in seinen neu gestalteten Räumen,
startet sein Programm nach der D11 mit einer Hommage an die Künstlerinnen
und Künstler, die Kassel in aller Welt so berühmt gemacht
haben. 'Jagdszenen – KünstlerInnenPorträts aus 25
Jahren' ist die Ausstellung des Kasseler Fotografen Dieter Schwerdtle
überschrieben, der damit zum ersten Mal Einblick in sein umfangreiches
Archiv gibt. Es sind wohlklingende Namen, ein ganzes Alphabet, von
A wie Anatol über
M wie Gerhard Merz und N wie Nannucci, von R wie Gerhard Richter
und S wie Lorna Simpson, bis hin zu W wie Franz West, Y wie Penny
Yassour und Z wie Andrea Zittel.
Dieter Schwerdtle ist seit 1977, der d6 also, mit seiner Kamera
auf der documenta unterwegs und hat die Ausstellungen u.a. für
das Kunstforum dokumentiert. Dort beobachtete er die KünstlerInnen
beim Aufbau ihrer Arbeiten oder holte sie zum Porträt heraus.
Umfangreiche Serien sind so entstanden.
Dieter Schwerdtle schreibt aber auch seit 25 Jahren die fotografische
Chronik des Kasseler Kunstvereins, er ist das Archiv. Nicht zuletzt
ist Dieter Schwerdtle ein intimer Kenner der Kasseler Ateliers,
der inzwischen alten Szene wie der jüngsten und hat mit seinen
Porträtsituationen ein Stück Kasseler Kulturgeschichte
dokumentiert.
Ein zweiter Schwerpunkt in der Ausstellung bildet die Dokumentation
von Performances. Dabei spielt Joseph Beuys mit seinem intensiven
Auftreten in Kassel eine besondere Rolle. Dieter Schwerdtle fotografierte
ihn erstmals 1977 mit seiner Honigpumpe im Fridericianum und fortan
bei all seinen Aktionen in der Stadt, z.B. den Pflanzungen der 7000
Eichen, der Gründung der FWU und dem Einschmelzen der Zarenkrone.
Aber auch viele andere KünstlerInnen hat er in Aktion festgehalten:
Lilli Fischer, Marina Abramovic/Ulay, Klaus Rinke, u.v.a.m. Nicht
zuletzt bilden Performances im Kasseler Kunstverein ein großes
Konvolut, z.B. die Fluxus-Aktionen, die Jürgen Olbrich organisiert
hat, mit Allen Kaprow, Emmet Williams, Norbert Klassen, u.a.
Im kleinen Kabinett schließlich werden Plakate, Publikationen
und Zeitschriften zu sehen sein, an denen Dieter Schwerdtle mitgewirkt
hat – auch ein kleiner Spiegel der Kulturgeschichte Kassels.
Dieter Schwerdtle, 1952 in Kassel geboren, studierte Kunsterziehung
an der HfbK Kassel, vertiefte dann seinen fotografischen Schwerpunkt
durch ein Studium bei Prof. Floris Neusüss. Seit seinem Abschluss
1976 arbeitet er als freier Fotograf. Gegen den experimentellen,
künstlerischen Schwerpunkt an der Kunsthochschule setzte sich
von Anfang an sein fotojournalistisches Interesse durch. Als Lehrer
dafür hatte er nur die Geschichte des Fotojournalismus –
und nicht zuletzt die politischen Ereignisse um ihn herum. Schwerdtle
ist es wichtiger, die Realität zu fassen als eine autonome
fotografische Wirklichkeit zu setzen. Er will dokumentieren, nicht
kommentieren. Und er hat außerordentliche Fähigkeiten
entwickelt, aus dem Leben heraus zu fotografieren. Selbst in expliziten
Porträtsituationen sind die KünstlerInnen bei sich, er
lässt sie machen und 'hält drauf'. Das hat ihn weit über
Kassel hinaus bekannt gemacht. Jagdszenen ist deshalb ein passender
Überbegriff für die Profession dieses Fotografen, vor
Ort und bei den Personen zu sein.
ZIPP
12. April bis 20. September 2002
Christine Biehler / Rudolf Herz / Jürgen O. Olbrich / Benjamin
Patterson / Veronika Veith / Tom Wood / Peter Zimmermann
'ZIPP' heißt die Programmfolge, die
der Kasseler Kunstverein im documenta-Jahr zeigt. ZIPP, als Reihe
von acht Einzelausstellungen, funktioniert wie ein Reißverschluss:
Zwei Künstler, Jürgen O. Olbrich und Olav Westphalen,
beginnen gemeinsam. Bereits nach drei Wochen wird Olbrich durch
einen dritten, Ben Patterson, abgelöst, während die zweite
Ausstellung, Westphalen, noch drei weitere Wochen zu sehen ist.
Ihre Ablösung durch eine nächste Künstlerin, Veronika
Veit, findet dann in der Ausstellung von Ben Patterson statt. So
überschneiden sich in der weiteren Folge Rudolf Herz und Peter
Zimmermann, dieser mit Christine Biehler, sie mit Tom Wood, der
schließlich für eine kurze Zeit noch einmal Jürgen
O.Olbrich als Partner hat. So schließt sich der Reißverschluss.
Die Methode ist ungewöhnlich, aber allein nicht interessant
genug. Erst wenn die künstlerischen Interessen jeweils andere
sind, die Generationen wechseln, wenn auch die inhaltlichen Schwerpunkte
der Beteiligten ein tatsächliches Gegenüber haben, versetzte
Bezüge oder Konfrontationen hergestellt werden, wenn schließlich
über das, was Kunst ist oder kann, unterschiedliche Vorstellungen
erkennbar werden, dann lohnt sich der und das ZIPP.
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