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Einsehen
17. Dezember 1997 bis
6. Januar 1998
Pablo Alonso / Conny Bosch / Siegfried Böttcher /
Heidrun Gartenschläger / Axel Kretschmer /
Carmen Mörsch / Ulrike Müller / Jens Nagels / Ralf Peters,
Thorsten Streichardt / Andreas Tschernoch / Michael Vorfeld
'Einsehen' ist eine Ausstellung,
die nur von außen zu betrachten ist. Zwölf Künstlerinnen
und Künstler sind eingeladen, die Fenster der Kunstvereinsräume
im Fridericianum, das wegen des documenta-Rückbaues noch nicht
zu betreten ist, zu ihre Arbeitsfläche und zu ihrem Thema zu
machen.
Daniel Spoerri - Karneval der Tiere
24. Januar bis 8. März
1998
Im Kasseler Kunstverein
präsentiert Daniel Spoerri (geboren 1930) mit 26 großformatigen
Arbeiten aus seinem Zyklus 'Karneval der Tiere' eine raumgreifende
Installation. Darüber hinaus sind Beispiele seiner Auflagenedition
MAT (Multiplication d'Art Transformable), die er 1959 als Kunstform
begründete, zu sehen. Daniel Spoerri zeigt Teile seines Werkzyklus
erstmals in dieser Ausstellung.
Das Verschwinden der Kunst wird aus gesellschaftlichen Gründen
auf unbestimmte Zeit verschoben.
Die Klasse von Urs Lüthi an der Kunsthochschule Kassel
22. März bis 10.
Mai 1998
Bianca Decker / Maike Biederstädt / Susanne Bierwirth /
Barbara Bux / Mi-Young Choi / Martin Dege /
Tatiana Echeveri-Fernandez / Jele Fastus /
Martina Fischer / Marion Garz / Peter Goettler /
Monika Götz / Thorsten Gröger / Christiane Hause /
Klaus Hollenbeck / Uli Hrasky / Tae-Jun Kim /
Thomas Kujat / Holger Langer / Urs Lüthi /
Michaela Meise / Patricia Meisenheimer /
Silvia Möller / Jens Nedowlatschil / Judith Nopper /
Jan Martin Nürnberg / Kathrin Rabenort /
Ilka Schröder / Daniel Schulz / Eva Tenschert /
Olaf Val / Carola Wechler / Moritz Wiedemann /
Jeannette von Wolff und Horst Jonescu / Lena Ziese
Auf dem vergangenen 'Rundgang'
der Kunsthochschule Kassel zeigte das Atelier von Urs Lüthi
mit Abstand die interessanteste Ausstellung, weil es der Klasse
gelungen war, all ihre Arbeiten in einer Art 'Tapete' zu einem umfassenden
Environment zusammenzufügen, ohne dadurch dekorativ oder bloß
spektakulär zu sein. Im Gegenteil, sie betonten damit ihr komplexes
Spektrum an Themen, das sich nicht nur aus der persönlichen
Wahrnehmung und Empfindung speist, sondern sich auch deutlich auf
gesellschaftliche Wirklichkeit und deren Problemstellungen bezieht.
Die Klasse Urs Lüthi hat zur Zeit 37 Studentinnen und Studenten.
Es gibt für diese Klasse kein stilistisches oder inhaltliches
Erkennungszeichen, wie man das von klassischen Akademien kennt,
denn Urs Lüthi lehnt jedes Epigonentum radikal ab. Das Ziel
der Ausbildung ist nicht ein marktgerechter Stil, sondern eine authentische
Haltung, reflektierte künstlerische Standpunkte und professionelles
Arbeiten.

Werner Doede
24. Mai bis 28. Juni 1998
Die Reihe 'Kasseler Zeitzeugen
der Kunst' versucht, den Blick und die Diskussion auf die Entwicklung
der Kunst und den Kunstbegriff (auch) in der jüngsten Vergangenheit
zu lenken. Der Kasseler Kunstverein zeigt einen Teil des graphisches
Werks des Kunshistorikers Werner Doede (geboren 1904), der bis 1974
an der Kunsthochschule Kassel lehrte. Neben seinem umfangreichen
kunstwissenschaftlichen Werk, hat sich Doede auch künstlerisch
kontinuierlich mit Themen auseinandergesetzt und trotz der Nähe
zum Bauhaus ein konsequentes und eigenständiges Werk geschaffen.
Stephan Jung
21. Mai bis 28. Juni 1998
Malerei versteht Stephan
Jung (geboren 1964) zuerst einmal als ein bloßes „Verteilen
von Farbe auf einer Fläche“. Den Anlass dazu geben fotografische
Vorlagen, die Jung aus Printmedien entnimmt oder selbst herstellt
und lediglich in Details stark vergrößert. Diese Vorlagen
überträgt Stephan Jung in neu variierter Farbigkeit auf
seine Leinwände. Dabei entstehen ephemere, flüssig gewordene
und oft lichtdurchflutet wirkende Formen und Konfigurationen, deren
ursprüngliche Herkunft aus der präzisen ausgeleuchteten
Werbefotografie zwar noch erahnbar, deren Kontext jedoch nicht mehr
lesbar ist. Durch die in der malerischen Vergrößerung
entstehende Unschärfe, erreichen die Bildsujets eine eigene
abstrakte Qualität. Und doch sind sie weder abstrakt noch realistisch,
weder Bilderfindungen, noch Abbildungen. Ein passender Betrachtungsabstand
zu Stephan Jungs Bildern lässt sich nicht mehr recht einnehmen.
Das Lesen der Gegenstandsbezüge wird im sfumato der nun zu
Formen gewordenen Spitzlichter auf sich selbst zurückgeworfen.
Jede Festigkeit der Sujets scheint aufgelöst, jedes Hinschauen
verläuft. Trotz der optischen Attraktivität, die die Aufmerksamkeit
bannt, scheint ihre Präsenz zweifelhaft.
Anton Henning - Too much of a good thing...
12. Juli bis 30. August
1998
Blasphemisch und mit Ironie
formuliert der Berliner Künstler Anton Henning (geboren 1964)
seine Themen: den Akt zwischen Lust und Schaulust, zwischen Mode,
Sex und privater wie öffentlicher Prostitution, die Landschaft
als noch vorhandene Natur oder Sehnsuchtsmotiv, die Kunstgeschichte
als Vorschlag, die abstrakte Kunst als Spielfeld des Denkens und
der Sinne.
In erster Linie sieht sich Anton Henning als Maler, arbeitet aber
längst mit Fotografie, Video, Musik, skulpturalen Objekten
und Rauminstallationen. In der umfassenden Ausstellung sind mehrere
Werkkomplexe vertreten, die sich als 'thematische Blöcke' darstellen:
So sind unter anderem eine Reihe seiner 'Streifenbilder', eine 'Frauen-Anordnung'
und die neueste Serie 'Jazzbilder' zu sehen. In einer sogenannten
eleganten Hängung sind unterschiedliche Bildsujets kombiniert
und inszeniert, wobei die einzelnen Bilder hier durch ihre gestreute
Präsentationsform eine Auflösung der vorangegangenen Blöcke
ergeben. Diese traditionelle Hängung wird um ein Objekt ergänzt.
Ein weiterer Zyklus sind die 'Courbet-Bilder', die in einer für
Henning typischen Weise eine zur Kunstgeschichte gewordenen Situation
nicht nur zitieren, sondern zu neuen malerischen Formen und Inhalten
bringen.
Höhepunkt der Ausstellung ist die Lounge, die Anton Henning
einrichtet und 'Marker Melody Maker's Lounge' nennt. Der Betrachter
wird zum Mitspieler und Adressat der ironischen Selbstinszenierungen.
Die gesamte Ausstellung scheint über sich zu lächeln,
indem sie ihre Themen, Medien und Präsentationsformen immer
wieder ironisch reflektiert: 'Too much of a good thing...'.
DAMENWAHL:
Marlene Dumas / Andries Botha
9. September bis 25. Oktober
1998
Der Kasseler Kunstverein
eröffnet mit neuen Arbeiten von Marlene Dumas und Andries Botha
die Reihe 'Damenwahl', die von verschiedenen Kulturinstitutionen
in Kooperation mit dem Siemens Kulturprogramm entwickelt und an
unterschiedlichen Orten realisiert wird. Eine Künstlerin wählt
hierzu einen Künstler aus, mit dem sie gemeinsam ein Projekt
für eine Ausstellung entwickelt. Die Wahl des Kasseler Kunstvereins
fiel auf die in Südafrika geborene und in den Niederlanden
lebende, international bekannte documenta-Künstlerin Marlene
Dumas. Ihr Ausstellungspartner ist der Südafrikaner Andries
Botha. Das Projekt mit Marlene Dumas ist für ihn die erste
Ausstellung in Deutschland .
Für Marlene Dumas ist die Entscheidung für ihren Ausstellungspartner
sowohl eine künstlerische als auch eine politische Entscheidung.
Dumas' und Bothas künstlerische Gemeinsamkeiten ergeben sich
nicht nur aus dem biographischen Hintergrund, sondern vor allem
aus einem immer wieder neuen und altbekannten Thema, das in den
Arbeiten beider eine wiederkehrende Konstante ist: Liebe, Erotik
und auch Pornographie.
Rotraut Pape - Real Virtuality.
Der Garten / Die Wächter / Das Jüngste Gericht
6. November bis 29. November
1998
Im vollkommen abgedunkelten Raum des Kasseler Kunstvereins zeigt
die 1997 mit dem Transmedia-Festival-Preis in Berlin ausgezeichntete
Künstlerin Rotraut Pape drei Installationen.
'Real Virtuality' nennt Rotraut Pape (geboren 1956) ihre Ausstellung
und diese Umkehrung des Zauberwortes der computergenerierten Spiel-
und Unterhaltungswelt, ist Programm und kritische Intervention zugleich.
Es geht um die Allmacht des Menschen, sich die Welt erklärend
neu zu erfinden, mit ihr wie ein göttlicher Zauberer zu spielen.
Aus der biblischen Geschichte leiht sie sich die Titel und Mythen
ihrer Inszenierungen, aus dem Technologiepark der Medizin, der Genbiologie,
des Mediendesign und des Animationsfilms die Mittel. So mutet die
erste Installation an wie die Produktpräsentation auf dem Messestand
einer Gentechnikfirma, die zweite wie ein ferngesteuerter medizinischer
Untersuchungsraum und die dritte schließlich wie die spiritistische
Sitzung von Probanden, die bereits selbst hinübergegangen sind
in den digitalen Zustand.
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