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Ausstellungsprogramm
KasselerKunstVereinsHeim
Werner Hilperst Str. 23
30. Mai bis 3. September 2012
Zum zweiten Mal richtet der Kasseler Kunstverein im documenta-Jahr 2012 wieder das KasselerKunstVereinsHeim ein. Es liegt diesmal in der Werner Hilpertstrasse, nahe dem Kulturbahnhof und damit einem zentralen Ort der dOCUMENTA(13). Gemäß dem temporären Charakter dieses Spielortes werden den Sommer über unter dem Stichwort >trans, … (lat.) quer, hinüber, hindurch, jenseits< sieben Ausstellungen gezeigt.
Auf sehr unterschiedliche Weise gehen die eingeladenen Künstlerinnen und Künstler mit dem um, was es heißt, keinen Ort zu haben, einen Ort zu suchen oder sich einen Transitraum zu schaffen. Unorte können Eingriffe in Orte oder Verhaltensweisen sein, die die gewohnten Verhältnisse verschieben, können Reisen sein, die den Reisenden aus seinen eingefahrenen Bedingungen reißen, können Kriege sein, die alles zerstören, was sicher zu sein schien, können provisorische Behausungen sein oder Träume Obdachloser von einem Haus, das Zuhause heißt, können aber auch Zeitschriften, Flugblätter und Bücher sein, in und auf denen sich einschreibt, was sonst verloren oder unmöglich wäre. Der Ausstellungsraum im KasselerKunstVereinsHeim bietet dafür einen Ausstellungs-Container, der auch nur vorübergehend in ein ehemaliges Reisebüro hineingestellt wird.
Beteiligt sind:
Ole Aselmann
Kurator: Bernhard Balkenhol
30. Mai – 11. Juni
Ole Aselmann arbeitet mit verschiedenen – Zeichnungen, Text, Skulptur, Ton, Performance, Video. Oft sind Aktionen, in denen er selbst Hauptdarsteller ist, Auslöser seiner Arbeiten, z.B. eine Flussfahrt mit einem selbstgebauten Boot, die Wanderung von Calais nach Berlin, die Überquerung der Alpen mit einem Schaf, die später in einer Fülle von Material verarbeitet werden. Oder es sind spontane Einfälle oder Ideen, wie seine Urknall-Version, die eine Art künstlerischer Kettenreaktion auslösen und zu bizarren Installationen und begehbaren Räumen führen. Sie bilden einen unendlichen Kosmos aus assoziativ verknüpften, grotesken Elementen und ironischen Anspielungen, der die scheinbar festgeschriebenen Beziehungen und Bedeutungen von Begriffen, Bildern und Symbolen untergräbt.
Ella Ziegler
Kurator: Bernhard Balkenhol
13. Juni – 25. Juni
Ella Ziegler initiiert performative Akte, die in Aktionsbeschreibungen und fotografischen Dokumentationen münden. Oft spielt die Kollaboration mit fremden Menschen eine Rolle, die für die Dauer der Aktion zu Beteiligten werden. Sie hat kein Atelier, ihr Aktionsraum kann sich in der Stadt, einer Polizeistation, auf einer Verkehrsinsel oder – in ihrem Kopf befinden. Wahrnehmung, Beobachtung und Untersuchung der Begleiterscheinungen und Nebenwirkungen ihres Lebens bilden die Ausgangspunkte ihrer künstlerischen Arbeiten, deren tagebuchartiges, selektives Erfassen mit dem öffentlichen Raum eine komplexe Schnittmenge bildet. Ihr sind Momente zentral, aus denen heraus ein Netzwerk vielschichtiger Beziehungsgefüge von Ursache und Wirkung, Öffentlich und Privat, Kollektiv und Individuell entsteht. Ella Ziegler eignet sich so den öffentlichen Raum als ihre Skulptur an.
Susanne Bayer/ Werkgruppe der Herberge zur Heimat e.V.
Ich bau mir jetzt ne Villa .................... die Stadt
Kurator: Jürgen O. Olbrich
27. Juni – 9. Juli
Susanne Bayer und die Werkgruppe der Herberge zur Heimat e.V. haben Bewohner eines Wohnheims für wohnungslose Menschen Häuser aus gebranntem Ton und Holz bauen lassen. In Gestalt ihrer Häuser formulieren sie Erinnerungen, Wünsche, Vorstellungen und Hoffnungen. So entsteht allmählich eine Stadt aus sehr persönlichen Gebäuden, die dann wie ein Modell zur Stadtentwicklung aufgebaut werden. Dazu sind Interviews und Kommentare der Beteiligten zu hören.
REDFOXPRESS
Kurator Jürgen O. Olbrich
11. Juli – 23. Juli
REDFOXPRESS wurde von Francis Van Maele 2002 in Achill Island an der Westküste von Irland gegründet. 2005 gesellte sich Antic-Ham aus Südkorea hinzu und beide zusammen gründeten FRANTICHAM. In ihrem Studio druckten und veröffentlichten sie Gemeinschaftsarbeiten von Künstler/innen und Autor/innen in limitierten Auflagen. Sie produzierten außerdem ihre eigenen Künstlerbücher und Editionen und benutzten dabei alle denkbaren Techniken: Collage, Fotographie, Laserprints, Abdruckverfahren mit Lösungsmitteln, Monoprints, Schablonen, Stempel, Zeichnung, Frottage, gefundene Objekte, u.v.a.m. Unter dem Titel "C'est mon dada" gab REDFOXPRESS auch eine Sammlung von Visueller und Konkreter Poesie heraus, außerdem eine Serie von Assemblagen, die sie “Franticham Fluxus Assembling Box” nannten. Zuletzt haben sie intensiv mit Polaroids gearbeitet.
Uwe Bressnik
Kurator: Meinrad Ladleif
25. Juli – 6. August
Auf Uwe Bressniks rastloser Reise durch nahezu alle künstlerischen Gattungen, Medien, Techniken und Technologien ruht er nur selten, und wenn, dann meist zwischen den Stühlen. Bressnik folgt einem transmedialen Ansatz und arbeitet an einer stetigen Aktualisierung der konventionellen bildnerischen Gattungen Grafik, Malerei und Skulptur durch deren Neuinterpretation in angrenzenden Felden wie den Neuen Medien, der Musik und Jugendkultur oder Spiel und Sport. Seit 2000 verbindet Bressnik Kunst und Musik auch als ausübender Musiker (pocket-trp., cornet, whistling, voc.) im Rahmen mehrerer Bands bzw. Live-Musik-Formate (KunstSportGruppe hochobir, Grosse Freiheit Nr. 7, Dean Servise, Geschwitters Danzebein, seelish usf.).
Mark Pezinger Verlag
Kurator: Werner Demme
8. August – 20. August
Der Mark Pezinger Verlag ist eine Kollaboration von Künstlern, mit dem Anliegen, Künstlerbücher und -publikationen zu realisieren, für die sich strukturell nur schwer Verleger finden lassen. Oftmals spielt in diesen Fällen nicht die Vervielfältigung von Arbeiten eine Rolle, sondern deren Sichtbarmachung. Seit 2009 wurden zahlreiche Publikationen veröffentlicht und bei Ausstellungen in Deutschland, der Schweiz und Österreich vorgestellt. Beteiligte Künstler sind unter anderem Karsten Födinger, Astrid Seme und Thomas Geiger.
Anja Niedringhaus
Fotografie aus Kriegsgebieten
Kuratorin: Susanne Jakubzcyk
22. August – 3. September
Anja Niedringhaus ist Journalistin. Sie fotografiert als teilnehmende Kriegsberichterstatterin im Auftrag der Agentur „Associated Press“. Als eine der wenigen Frauen im Bereich der Reportage Fotografie begleitet sie Soldaten während ihrer Einsätze an die Front(en) und dokumentiert das Leben und Sterben der Menschen im Ausnahmezustand militärischer Auseinandersetzungen. Ihre Fotografien zeigen den Schrecken ebenso wie den Alltag des Krieges, die Zerstörungen ebenso wie ein Bemühen um Würde und Normalität. Auf diese Weise sind die Fotografien mehr als bloße Dokumente, sie sind immer und in erster Linie Bilder menschlicher Existenz. Ob aus Kroatien, Serbien, Kosovo, Bosnien, Irak, Afghanistan, Libyen oder Israel, seit 20 Jahren erscheinen Ihre Fotos weltweit in den Tageszeitungen, Zeitschriften und auf den Titelseiten und prägen so unser Bild von Krisen und Kriegen.
Zu den einzelnen Ausstellungen erscheint jeweils ein Katalogheft, ergänzt durch ein Heft mit der Dokumentation der gesamten Ausstellungsreihe.
Das KasselerKunstVereinsHeim bietet darüber hinaus einen weiteren Raum als Treffpunkt an. Dort werden an speziell angekündigten Abenden Künstlerinnen und Künstler oder anderweitig künstlerisch arbeitende Menschen, die für einen dOCUMENTA(13)-Besuch nach Kassel gekommen sind, zu einem öffentlichen Gespräch in kleiner Runde gebeten werden.
Nicht zuletzt gibt es dort vorübergehend das Büro des Kasseler Kunstvereins und den KasselerKunstVereinsLaden, in dem unsere Kataloge, Editionen, Postkarten, etc. angeboten werden.
Öffnungszeiten:
Treffpunkt, Kunstvereinsladen und Büro: täglich von 14 – 24 Uhr
Ausstellungsraum: täglich von 18 – 24 Uhr